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Das folgende Email habe ich gerade an die AKM und mit veränderten Referenzen an die Austromechana geschickt (die Entsprechung der deutschen GEMA), nun heißt es abwarten und Tee trinken. Das ist einmal wieder eine Nachricht auf deren Anwort ich sehr gespannt bin, gemäß dem Motto “Let’s see who’s side you’re on” – vielleicht finden sich Interessierte, die das ebenso empfinden (Google hat übrigens entschieden, dass sowohl Austromechana und GEMA auf der dark side of the Internet sind – zum Beweis: Austromechana | GEMA).
Außerdem kommen auch noch einige fällige Empfehlungen – etwa Johannes Kreidler – darin vor und ich habe meine Anspielungen und Hinweise nachträglich gerade noch verlinkt.
Sehr geehrte Damen und Herren der AKM,
ich bin ein Liebhaber der von Ihnen in Österreich vertretenen Kulturgüter (Audio-)Literatur und Musik und habe aus diesem Grund einige grundlegende Fragen an Sie, die mich im Zusammenhang mit Ihrer Funktion und der Ihrer Schwestergesellschaft Austromechana interessieren.
Sie, sowie Ihre Schwestergesellschaft Austromechana, scheinen mir in Ihrer Funktion und Ihren Ansichten stark der deutschen GEMA zu ähneln, mit der Sie ja auch einen Gegenseitigkeitsvertrag abgeschlossen haben. So betonen auch Sie etwa ausdrücklich, dass die “generelle Freiheit, einige Takte bzw. eine bestimmte Sekundenanzahl eines geschützten fremden Musikwerkes frei verwenden zu können” nicht der rechtlichen Situation entspricht (Zitat Ihr Internetauftritt). Da eine solche Auffassung allerdings für eine ganze Generation jüngerer Künstler, von DJs und Musikern die mit Samples arbeiten, bis zu Video-Mash-Up-Künstlern und VJs hinderlich oder im schlimmsten Falle kriminalisierend wirken kann, einige Fragen zu dieser Problematik:
1) Der deutsche Komponist Johannes Kreidler hat Ende des letzten Jahres mit seiner Aktion “Product Placements” (http://www.kreidler-net.de/productplacements.html) auf die Schwäche des restriktiven Zitatsystems für Kulturschaffende und deren Vertreter – also auch Sie – aufmerksam gemacht, indem er in einem 33 Sekunden langen Stück 70200 Fremdzitate verwendete. Obgleich das absurd wirkt hat Kreidler damit nur nach dem Willen des Gesetzes und einer Vertretung wie der Ihrigen gehandelt und wurde, spät aber doch, dafür auch noch von der GEMA gelobt. Ich denke das der Fall eindrücklich illustriert, das die extreme Position selbst Tonpartikel nachzuverfolgen, bzw. zu schützen für alle Seiten im 21. Jahrhundert absurde Folgen hat, bzw. haben kann. Ist nun Ihre Position zum Thema Zitate tatsächlich so unverrückbar, bzw. wie würden Sie auf einen Fall wie Herrn Kreidlers reagieren?
(Falls Ihnen dieser Fall zu künstlich erscheint, mache ich Sie darauf aufmerksam, dass auch populäre “gewöhnliche” Künstler ohne provokative Intention, wie beispielsweise der Musiker “Girl Talk” – http://www.myspace.com/girltalkmusic – oder die Formation “Negativland” – http://www.negativland.com – mit Ihrer Technik und Ihrer Anzahl an Zitaten dieses System ad absurdum führen könnten.)2) Wenn sie betonen, dass auch “wenige Takte, bzw. eine bestimmte Sekundenanzahl eines geschützten fremden Musikwerkes” nicht frei verwendbar, bzw. kopier- und veränderbar sind, dann muss Ihnen doch bewusst sein, dass dieses selbe Modell auf Literatur übertragen diese E-Mail oder Ihre (hoffentliche) Antwort kriminalisiert, da ich (und auch Sie) offensichtlich kleinste Teile eines geschützten fremden Literaturwerkes (Buchstaben, Wörter, Phrasen, je nach Abstraktion) verwenden und dafür keinerlei Genehmigung von Ihnen oder Ihrer Schwestergesellschaft eingeholt habe. Sprache, Schrift, Musik und alle anderen Formen des künstlerischen Ausdrucks sind lediglich Medien, die alle auch für Kunst verwendet werden können. Warum aber verteidigen Sie die Musik oder den Film gegenüber Schrift und Sprache? Weshalb wäre es strafbar, hätte ich die Worte dieser Email als Soundcollage aus fremden Werken an sie geschickt, wo sie doch den selben Inhalt wiedergäbe?
3) Der bekannte US-amerikanische Jura-Professor Lawrence Lessig der Stanford University (http://www.lessig.org), macht bei seinen Vorträgen unter Anderem auf die Tatsache aufmerksam, dass das Urheberrecht mit seinen 70 Jahren Rechtsanspruch den massiven Verlust von Filmen und Musik bedeute, weil eine Restauration der Originalwerke für interessierte Dritte rechtlich oft problematisch oder unmöglich ist, obwohl der ursprüngliche Künstler längst tot ist. Wie rechtfertigen sie diesen fortschreitenden Verfall von Kultur und weshalb können Urheberrechte grundsätzlich vererbt werden? Sie schreiben doch selbst, dass das Urheberrecht dazu diene “dass NUR der Urheber entscheidet, was mit seiner schöpferischen Leistung geschehen darf” (Zitat Austromechana-Internetauftritt, Hervorhebung von mir). Ist es Ihren Ansichten nach nicht widersprüchlich, dass eine Regelung und Vertretung wie Sie, die schützen soll, dass sich Andere als der Künstler “mit fremden Federn schmücken” und genau dies durch Vererbung der Rechte wiederum passiert?
4) Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass die Kopie, Veränderung und Abwandlung von Kulturgütern seit Beginn der Kunst überhaupt existieren, unter der Idee des Schutzes aber künstlich erschwert oder verhindert wird? Die gesamte Photocollage-Technik von Künstlern wie etwa Raoul Hausmann oder Hannah Höch oder beinahe alle Kunstwerke aus Andy Warhols Factory (ich erinnere nur an die veränderten Bildnisse Marilyn Monroes) sind nach modernem Recht Urheberrechtsverletzungen, werden aber heute als wegweisend angesehen. Unzählige Musikstücke seit Anbeginn der Musik sind Interpretationen fremder Werke und viele Filme sind mehr oder veränderte Kopien Anderer (ich erinnere nur an den heute populären “Steamboat Willie” – der erste Auftritt der Figur Micky Maus – der eine Parodie und Kopie von “Steamboat Bill Jr.” ist).
5) In vielen Staaten werden zur Zeit alternative Modelle der Kulturvergütung diskutiert, die sogenannte “Kulturflatrate” oder gänzlich andere Ideen sind derzeit in internationalen Medien oft in Diskussion. Warum gibt es von Ihnen oder Ihrer Schwestergesellschaft Austromechana keinerlei Stellungnahmen zu diesen Themen, wo Sie sich doch sicher damit befassen (müssen)?
Zusammenfassend möchte Ihnen sagen, dass ich verstehe, dass sie schon aufgrund Ihrer Struktur als Gesellschaft an der Vergütung von Künstlern interessiert sind, andererseits möchte ich Ihnen zu denken gibt, dass Kunst sich stetig weiterentwickelt. Wie es Ihre Schwestergesellschaft Austromechana selbst auf Ihrem Internetauftritt formuliert hat: “der zeit ihre kunst * der kunst ihre freiheit” (im Übrigen auch ein Zitat auf das Werk Fremder). Nun verdienen aber nicht nur etablierte Künstler Vertretung, Vergütung und Anerkennung Ihres Schaffens, auch für Künstler mit neuen Methoden sollten Instanzen geschaffen werden, die sie nicht kriminalisieren und behindern, sondern bestärken und unterstützen.
Natürlich weiß auch ich, dass Sie an das geltende veraltete Urheberrecht gebunden sind, jedoch hätten Sie die Möglichkeiten zur öffentlichen Diskussion eben dieses Gesetzes anzuregen – Gesetze sind veränderbar. Weiters gibt es durchaus alternative Modelle zur rechtlichen Sicherung des eigenen Schaffens, wie etwa das Creative-Commons-Modell (http://creativecommons.org – ihre Position dazu würde mich ebenfalls interessieren!), ich habe von Ihrer Seite allerdings dazu keine Informationen gefunden.Besorgt um die Zukunft von Kunst und Kultur und diesen Bedingungen, mit der Bitte um Anworten und freundlichen Grüßen,
[xxx]
Dieses Email ergeht mit veränderten Referenzen auch an Ihre Schwestergesellschaft Austromechana und wird von mir gemeinsam mit Ihrer Anwort in meinem Blog www.dekonstruktivekritik.wordpress.com veröffentlicht, bei Gelegenheit behalte ich mir das das Recht auf weitere Veröffentlichungen selbstverständlich vor.
ANMERKUNG: In diesem Email wurde der generische Maskulin aus Gründen der Leserlichkeit verwendet, selbstverständlich bin ich um Kunst- und Kulturschaffende beiderlei Geschlechts besorgt.
2 Kommentare bis jetzt
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jemals eine antwort von akm/aumech erhalten?
Kommentar von randy 2. September 2009 @ 10:56Wie im Beitrag angedeutet – der leider thematisch auch aktuell meinerseits ist – hab ich natürlich nie eine Antwort auf meine Fragen erhalten. Ob sie damit einfach nur die Schwellen so hoch als möglich ansetzen möchten, oder wirklich ein “innovationssicherer” Verwaltungsapparat von Bürokraten sind, wer weiß? Falls noch etwas kommt, dann poste ich das auf alle Fälle. Und locker lassen werde ich auch nicht. Schönen Gruß
Kommentar von dekonstruktivekritik 2. September 2009 @ 5:55